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Welche Psychotherapie passt zu mir?

Autorenbild: Peter Eder
Peter Eder
9. Sept.
4 Min. Lesezeit

23 anerkannte psychotherapeutische Methoden – und Sie sollen entscheiden, welche davon zu Ihnen passt? Die Namen helfen dabei zunächst wenig: Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Psychodrama, Existenzanalyse, Systemische Familientherapie, Integrative Therapie …

 

Die bessere Frage lautet deshalb:

Wie möchten Sie sich mit Ihrem Problem beschäftigen?

Denn die Verfahren unterscheiden sich nicht nur durch ihre Techniken. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte darauf, wie psychisches Leiden verstanden wird und wo Veränderung ansetzen kann.

 

 

Sie möchten verstehen, woher Ihre Muster kommen?

Dann lohnt sich ein Blick auf psychodynamische und psychoanalytische Verfahren.

Hier geht es verstärkt um Ihre Lebensgeschichte, frühe Beziehungserfahrungen, innere Konflikte und Muster, die Ihnen möglicherweise gar nicht vollständig bewusst sind.

Typische Fragen wären:

Warum gerate ich immer wieder in ähnliche Beziehungen? Warum reagiere ich auf bestimmte Situationen so stark? Welche Erfahrungen wirken in meinem heutigen Leben weiter?

Dazu gehören unter anderem Psychoanalyse, psychoanalytisch orientierte Verfahren, Individualpsychologie und Analytische Psychologie.

Tendenziell passend, wenn Sie nicht nur ein Symptom verändern, sondern dessen biografische und unbewusste Zusammenhänge verstehen möchten.

 

 

Sie möchten möglichst konkret etwas verändern?

 

Dann kann Verhaltenstherapie interessant sein.

Sie richtet den Blick besonders darauf, welche Gedanken, Bewertungen, Gefühle und Verhaltensweisen ein Problem heute aufrechterhalten – und was sich daran verändern lässt.

Typische Fragen:

Was passiert in der konkreten Situation? Was denke und tue ich dann? Was vermeide ich? Was hält mein Problem aufrecht? Was könnte ich anders machen?

Die Arbeit kann strukturiert sein und Übungen oder Aufgaben zwischen den Sitzungen einbeziehen.

Tendenziell passend, wenn Sie konkrete Beschwerden und Verhaltensmuster gezielt bearbeiten möchten.

 

 

Sie möchten Beziehungen und Ihr Umfeld stärker einbeziehen?

 

Dann sollten Sie sich systemische Verfahren ansehen.

Hier wird ein Problem nicht ausschließlich als Eigenschaft eines einzelnen Menschen verstanden. Betrachtet werden auch Partnerschaft, Familie und andere soziale Systeme sowie die Wechselwirkungen zwischen den Beteiligten.

Die Frage lautet weniger:

„Was stimmt mit mir nicht?“

Sondern beispielsweise:

„In welchen Beziehungen entsteht dieses Problem – und wodurch wird es aufrechterhalten?“

Tendenziell passend, wenn Beziehungen, Familie, Rollen oder wiederkehrende Konflikte einen wesentlichen Teil Ihres Problems darstellen.

 

 

Sie möchten stärker mit Ihrem unmittelbaren Erleben arbeiten?

 

Dann könnten humanistische Verfahren interessant sein.

Hier stehen häufig Gefühle, gegenwärtiges Erleben, persönliche Entwicklung und die therapeutische Beziehung stärker im Mittelpunkt.

Nicht nur:

Warum bin ich so geworden?

Sondern auch:

Was erlebe ich gerade? Was brauche ich? Wie trete ich mit anderen in Kontakt? Was hindert mich daran, mein Leben entsprechend meinen Bedürfnissen und Werten zu gestalten?

Dazu gehören unterschiedliche Verfahren wie Personenzentrierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Existenzanalyse oder Psychodrama.

Tendenziell passend, wenn Sie nicht ausschließlich analysieren oder Symptome bearbeiten, sondern sich selbst in Ihrem Erleben und Ihren Beziehungen besser kennenlernen möchten.

 

 

Sie beschäftigen Fragen nach Sinn, Freiheit oder Lebensgestaltung?

 

Dann können insbesondere Existenzanalyse und Logotherapie interessant sein.

Hier rücken Fragen nach Sinn, Verantwortung, Freiheit, Entscheidungen und einer persönlich stimmigen Lebensgestaltung stärker ins Zentrum.

Das kann etwa bei Lebenskrisen, Verlusten, Umbrüchen oder existenziellen Fragen bedeutsam werden.

 

Sie können vieles leichter erleben als erklären?

 

Dann lohnt sich ein Blick auf Verfahren, die Imagination, Körper, Bewegung oder szenisches Arbeiten stärker einbeziehen.

In der Katathym Imaginativen Psychotherapie spielen innere Bilder eine wichtige Rolle.

Die Konzentrative Bewegungstherapie arbeitet verstärkt mit Körperwahrnehmung und Bewegung.

Im Psychodrama können Situationen, Beziehungen und Konflikte handelnd dargestellt und erlebt werden.

Die Hypnosepsychotherapie nutzt unter anderem veränderte Aufmerksamkeitszustände und imaginative Prozesse.

Das kann interessant sein, wenn Sie merken:

Reden und Verstehen allein reichen mir nicht.

 

 

Und wenn Sie sich in mehreren dieser Beschreibungen wiederfinden?

 

Dann kommen Verfahren ins Spiel, die den Menschen bewusst mehrperspektivisch betrachten.

Dazu gehört die Integrative Therapie.

Sie geht davon aus, dass psychisches Erleben selten nur eine Ursache und nur eine Ebene hat.

Ihre Biografie kann eine Rolle spielen.

Ebenso Ihre gegenwärtigen Beziehungen.

Ihre Gedanken und Gefühle.

Ihr Körper.

Ihre soziale und berufliche Situation.

Und die Frage, wie Sie Ihr zukünftiges Leben gestalten möchten.

Die Integrative Therapie betrachtet den Menschen deshalb als Leib-Subjekt in seiner Lebenswelt.

 

Entsprechend kann die therapeutische Arbeit Gespräch und biografisches Verstehen ebenso einbeziehen wie Emotionen, Beziehungserfahrungen, Körperwahrnehmung, Bewegung, kreativen Ausdruck und konkretes Handeln.

Integrativ bedeutet dabei nicht: Von jeder Therapieschule nehmen wir ein bisschen.

 

Es handelt sich um ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren mit einem eigenen theoretischen Fundament.

Tendenziell passend, wenn Sie Ihr Problem nicht auf eine einzelne Ebene reduzieren möchten und einen Zugang suchen, der Biografie, Gegenwart, Beziehungen, Körper, Erleben und Entwicklung miteinander verbinden kann.

 


Eine erste Entscheidungshilfe


Wenn Sie bei der Suche noch unsicher sind, fragen Sie sich:

Ich möchte vor allem verstehen, woher meine Muster kommen.→ psychodynamische und psychoanalytische Verfahren näher ansehen.

Ich möchte konkrete Symptome oder Verhaltensweisen verändern.→ Verhaltenstherapie näher ansehen.

Meine Beziehungen oder meine Familie stehen im Zentrum.→ systemische Verfahren näher ansehen.

Ich möchte mein Erleben, meine Gefühle und mich selbst besser verstehen.→ humanistische Verfahren näher ansehen.

Sinn, Entscheidungen und meine Lebensgestaltung beschäftigen mich besonders.→ Existenzanalyse und Logotherapie näher ansehen.

Ich möchte nicht nur sprechen, sondern auch über Körper, Bilder oder Handeln Zugang zu mir bekommen.→ beispielsweise Psychodrama, Konzentrative Bewegungstherapie, Katathym Imaginative Psychotherapie oder Hypnosepsychotherapie näher ansehen.

Mehrere dieser Ebenen gehören für mich untrennbar zusammen.→ Integrative Therapie näher ansehen.

Aber Vorsicht vor einer zu einfachen Zuordnung.

Ein Mensch mit Angst gehört nicht automatisch in die Verhaltenstherapie. Ein Beziehungskonflikt nicht automatisch in die systemische Therapie. Und eine schwierige Kindheit nicht automatisch auf die psychoanalytische Couch.

 

Die Verfahren überschneiden sich heute erheblich.

Deshalb sollte die Methode Orientierung geben – aber nicht zum Auswahlautomaten werden.

 

Am Ende bleiben zwei Fragen:

Passt die Art, wie dieses Verfahren den Menschen und sein Problem versteht, zu mir?

Und:

Passt der Mensch, der damit arbeitet, zu mir?

Die erste Frage hilft Ihnen bei der Wahl des Verfahrens.

Die zweite entscheidet mit darüber, ob daraus eine gute Psychotherapie werden kann.

 
 
 

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